Kosmetikzusätze nach natürlichem Vorbild

Viele Produkte des täglichen Lebens wie Cremes, Shampoos oder Lebensmittel wie Mayonnaise oder Senf sind aus dem Alltag nicht wegzudenken. Allen Produkten ist gemeinsam, dass sie auf einem fein verteilten Gemisch von Tropfen oder einem unlöslichen Feststoff in einer Flüssigkeit basieren. Hierbei ist es entscheidend, dass sich die fein verteilten Tropfen/Feststoffe gleichmäßig in der Flüssigkeit verteilen und die Produkteigenschaften wie Konsistenz und Haptik nach Wirken einer mechanischen Kraft, z. B. beim Ausdrücken einer Zahnpastatube, schnell wieder einstellen. Hierfür bedarf es oftmals Zusätzen wie Verdicker oder Konsistenzgeber, sogenannten Rheologie-Modifizierer, die beispielsweise in Lotionen, Cremes oder Lippenstiften für eine ansprechende Konsistenz beim Auftragen sorgen. Die durch einen Rheologie-Modifizierer induzierten strukturgebenden und haptischen Eigenschaften im Produkt beruhen auf der Ausbildung eines stabilen 3-dimensionalen Netzwerkes, in welchem die Netz-Bausteine auf chemischem Wege fest miteinander verbunden sind. Diese Festigkeit wird allerdings zum Problem, wenn Kosmetikprodukte, z. B. nach dem Duschen ins Abwasser gelangen. Dort werden Rheologie-Modifizierer nicht oder nur sehr langsam abgebaut.

Ziel von Kosmogel ist es, Rheologie-Modifizierer zu erforschen, deren netzartige Strukturen nach Exposition in die Umwelt schnell abgebaut werden können. Für die Ausbildung der hierfür erforderlichen Netzwerke liefert die Natur einen einfachen Lösungsansatz: Anstelle die Netz-Bausteine über permanente und starre Bindungen miteinander zu vernetzen, werden diese über dynamische Wechselwirkungen reversibel miteinander verbunden. Dieser Prozess der gezielten Anlagerung, auch Selbstassemblierung genannt, wird in der Natur u. a. beim Aufbau von Gewebe beobachtet und liefert stabile Netzstrukturen, die biologisch gut abbaubar sind. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Erforschung neuartiger biologisch abbaubarer Netzbausteine, die sich nach dem Vorbild der Natur selbstständig zu stabilen Netzwerken organisieren. Im Erfolgsfall liefert das Projekt einen Beitrag zu nachhaltigen und umweltverträglichen Kosmetik-Produkten.  

Kontakt

Prof. Dr. Tanja Weil

Direktorin

Dr. Christopher Synatschke

Gruppenleiter
Zur Redakteursansicht