Von Nobelpreisträger:innen inspirieren lassen 

Doktorand:innen der beiden Mainzer Max-Planck-Institute nehmen an Lindauer Nobelpreisträgertagung vom 26. Juni bis 1. Juli teil 

Bereits zum 71. Mal findet Ende Juni das Nobelreisträgertreffen in Lindau statt. Nachdem die letzten zwei Jahre coronabedingt auf ein digitales Format ausgewichen werden musste, treffen Nobelpreisträger:innen und Nachwuchswissenschaftler:innen nun wieder persönlich aufeinander. Mit dabei sind diesmal die drei Mainzer Promovierenden Clara Nussbaumer vom Max-Planck-Institut für Chemie und Tilmann Herberger sowie Shoupeng Cao vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung.  

Das Nobelpreisträgertreffen in Lindau ist ein internationales Forum des Austauschs. Hier kommen rund 40 Nobelpreisträger:innen und mehrere hundert junge Forscher:innen aus aller Welt am Bodensee zusammen, um über wissenschaftliche Themen zu diskutieren. Der thematische Fokus liegt in diesem Jahr auf der Chemie, und so werden auch die Chemie-Nobelpreisträger des vergangenen Jahres, Prof. Benjamin List vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung und Prof. David MacMillan von der Princeton-Universität, in Lindau anwesend sein.  

Die Leitidee der Gründungsväter aus dem Jahr 1950 – zweier Lindauer Ärzte gemeinsam mit Graf Lennart Bernadotte – ist heute aktueller denn je: den Dialog zwischen den Generationen und Kulturen ermöglichen und fördern. Somit erwartet die Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm aus Vorlesungen der Nobelpreisträger, Diskussionsrunden, Workshops und persönlichen Treffen.  

Mainzer in Lindau 

Die drei Mainzer Nachwuchswissenschaftler:innen durchliefen erfolgreich das mehrstufige Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Voraussetzung sind hervorragende akademische Leistungen und Empfehlungsschreiben. Außerdem müssen die Bewerber fließend Englisch sprechen und dürfen bisher noch nicht an einer Lindauer Tagung teilgenommen haben.  

Atmosphärenchemikerin Clara Nussbaumer freut sich über ihre Teilnahme am diesjährigen Treffen: „Ich brenne darauf herauszufinden, welche Personen hinter bekannten Namen stehen. Ein Treffen mit einem der Nobelpreisträger konnte ich selbst auswählen: Mit Prof. Dr. Stefan Hell werde ich zu Mittag essen. Er erhielt 2014 den Nobelpreis für Chemie. Fast jeden Tag gibt es weitere Möglichkeiten mit den Nobelpreisträgern ins Gespräch zu kommen. Vielleicht gelingt mir ein Treffen mit Prof. Richard Schrock – ich erinnere mich noch gut, wie ich mich während meines Chemiestudiums mit Schrock-Katalysatoren in der Olefin-Metathese beschäftigt habe. Gespannt wäre ich auch auf Prof. Randy Schekman von der University of California, Berkeley. Denn in Berkeley habe ich einige Monate verbracht und an verschiedenen Projekten im Bereich der Atmosphärenchemie gearbeitet." 

Auch Tilmann Herberger vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung wird nach Lindau reisen. Er ist sehr gespannt auf die „Science Walks“: „Hier unternehmen je ein Nobelpreisträger und zehn ‚Young Scientists‘ gemeinsam einen längeren Spaziergang“, erklärt Herberger. „Ich freue mich darauf, am Science Walk mit Hartmut Michel vom Max-Planck-Institut für Biophysik in Frankfurt teilzunehmen, der 1988 den Nobelpreis für Chemie erhalten hat. Es wäre großartig, von ihm etwas über seine Arbeit an Membranproteinen zu lernen, denn in meiner Doktorarbeit stelle ich Polymermembranen mit der Dicke von Zellmembranen her, in die Proteine eingebettet werden können. So könnten die Membranen biologische Eigenschaften erhalten.“ Aber auch auf andere große Namen, die er als Polymerwissenschaftler kennt, freut sich Herberger: „Es wäre ein Privileg, Personen wie Jean-Marie Lehn, Sir J. Fraser Stoddart oder Ben L. Feringa kennen zu lernen, die auch dieses Jahr teilnehmen.“ 

Auch Shouleng Cao vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung wird nach Lindau fahren: "Ich bin sehr froh und fühle mich geehrt, dass ich die Gelegenheit habe, an der Lindauer Tagung teilzunehmen und Nobelpreisträger:innen und junge Wissenschaftler:innen zu treffen. Die Begegnungen und Diskussionen mit erfahrenen Forscher:innen werden mich nicht nur über verschiedene Sichtweisen aufklären, sondern auch meine wissenschaftliche Vision erweitern und neue wissenschaftliche und technologische Ideen hervorbringen. Besonders freue ich mich auf das Gespräch mit Prof. Ben Feringa, der ein Experte auf dem Gebiet der katalytischen Chemie und der molekularen Motoren ist. Als Nachwuchsforscher in der Chemie lese ich sehr gerne Forschungsarbeiten aus Feringas Labor, und seine faszinierende und bahnbrechende Arbeit hat mich stets inspiriert.“

Das Treffen der Nobelpreisträger findet vom 26. Juni bis zum 1. Juli 2022 statt. Neben wissenschaftlichem Austausch wird es auch viel Raum geben zum gemeinsamen Kennenlernen, wie z. B. bei dem durch Großbritannien veranstalteten internationalen Get-Together oder dem vom Freistaat Bayern veranstalteten Bayrischen Abend. 

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