Sonne, Sommer und synthetische Polymere

Der Kunststoff Bildungspfad wurde eröffnet
 

10. September 2021

Über 100 Jahre ist es her, dass Hermann Staudinger mit einer Veröffentlichung zum Thema „Polymere“ Aufsehen erregte, für die er 1953 den Nobelpreis erhielt. Heute sind Kunststoffe aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Kunststoff Bildungspfad wurde nun eröffnet und zeigt eine breite Themenvielfalt rund um das Thema Kunststoffe.

Der Kunststoff Bildungspfad wird offiziell eröffnet. V.l.n.r.: Christine Rosenauer, Frederik Wurm, Ulrike Schneider, Katharina Landfester und Svenja Morsbach

Schönstes Sommerwetter – die Sonne scheint über dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Am Kunststoff Bildungspfad hinter dem Institut findet die Eröffnungsveranstaltung statt – 1 ½ Jahre sind seit Beginn der Planungen vergangen. Seitdem wurden Fundamente betoniert, Texte geschrieben, Tafeln gedruckt und Exponate gebaut.

„Leider hat uns Corona letztes Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht, deswegen haben wir nun den 101ten Jahrestag zur Eröffnung genommen“, sagt Katharina Landfester, Direktorin am MPI-P und Initiatorin des Pfades, im Hinblick auf die von Hermann Staudinger vor 100 Jahren veröffentlichte Publikation, die heute als Geburtsstunde der Polymere zählt.

Ein Pfad zum Erkunden

Der Pfad zeigt aktuell vier große Stationen – weitere werden jedoch folgen. Die Historie in Form eines Zeitstrahls berichtet über die Entwicklung der Kunststoffe und deren Einsatz. Sie zeigt dabei allerlei interessante Anekdoten auf und präsentiert dabei auch Produkte, die jeder aus dem Alltag kennt - natürlich alle aus Kunststoff.

Die nächste Station ist eine Audiostation – eine Schülerin unterhält sich in einem Gespräch mit Gründervater Hermann Staudinger, der begeistert ist, was durch seine Forschung heute alles möglich geworden ist. Das Interview selbst wurde so mit Herrmann Staudinger zwar nie geführt, aber würde er noch unter uns weilen, könnten seine Gedanken mit dem Blick ins Jetzt durchaus so klingen. Urs Rüegg, in der Schweiz lebender Enkel von Hermann Staudinger, der ihn auch noch selbst kennenlernen durfte, befand "den synthetischen Dialog" als "hervorragend authentisch".

Umso größer war die Freude bei der Eröffnung des Pfades, als Urs Rüegg seinen Besuch ankündigte. Als Ehrengast der Veranstaltung berichtete er in einem kurzen Grußwort über seine Familie und seine Erinnerung an den Großvater.

Imagefilm

Franzi geht auf Entdeckungstour: mobil aus dem Labor zugeschaltet, erklärt Prof. Dr. Katharina Landfester Franzi einzelne Stationen. Der neue Imagefilm lässt uns in die bunte Vielfalt an Themen eintauchen. Und ein paar Impressionen der Eröffnungsfeier vom 3. September 2021 zeigen, wie Polymere aussehen und wie sie sich verknäulen können.

Weiter auf dem Pfad geht es zum Stangenlabyrinth – eine Installation aus Holzstäben. Diese geht auf die molekulare Struktur von Polymeren ein und zeigt, wie sich Moleküle anordnen können und damit entscheidend die Eigenschaften von Kunststoffen bestimmen können. Von flexibel bis hart - alles ist durch deren Struktur erklärbar.

Weitere Stationen des Pfades beschäftigen sich sowohl mit dem Einsatz von Polymeren im Auto, der Medizin oder im alltäglichen Leben wie auch mit deren vielfältigen physikalischen und chemischen Eigenschaften. Eine Station nimmt sich dem Thema Dämmung an und präsentiert künstlerisch abstrahiert einen stark vergrößerten Schnitt durch Styropor. Gut erkennbar: Die mit Luft gefüllten Poren, die für die isolierende Eigenschaft sorgen. Der Pfad setzt sich aber auch mit kritischen Fragestellungen zum Thema Abbaubarkeit, Nachhaltigkeit und Recycling auseinander.

„Überall brauchen wir heute Polymere in ganz unterschiedlicher Art und Weise. Sie können sich das ganze hier nicht nur anschauen, sondern Sie können das erfahren, begreifen. Sie können Dinge ausprobieren, ganz interaktiv, damit Sie sehen, wo wir heute tatsächlich überall Polymere einsetzen“, so Landfester in ihrer Eröffnungsrede.

Bei der Eröffnungsveranstaltung werden Polymere nicht nur an den einzelnen Stationen vorgestellt, sondern auch in unterschiedlichster künstlerischer Weise präsentiert – sei es mit einer Modenschau mit Polymeren oder durch eine Darbietung von Tänzer:innen des Staatstheaters Mainz, die mit einer Choreographie eine demnächst aufgebaute Station zur molekularen Struktur von Polymeren darstellen.

Insgesamt ist die Eröffnung ein voller Erfolg bei ausgelassener Stimmung und vielen spannenden Gesprächen und Diskussionen rund um Polymere. Mehrere Führungen gehen über den Pfad.

Falls auch Sie den Kunststoff Bildungspfad in Mainz besuchen wollen, finden Sie mehr Informationen hierzu auf www.kunststoffpfad.de, unter anderem ein Formular zur Anmeldung.

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